Montag, 23. Oktober 2006, 16.32 Uhr
...und dazu noch zwei Japandas, aber nicht verjapanscht: Da schau einer an, wie die Zeit vergeht. Naja, ist ja im Grunde
noch Wochenende. Ahem. Nun, setzen wir unsere kleine Fabel von Lust und Moral (Habe übrigens den ersten Teil mit mehr Bildern aufgemöbelt. Also alle zuerst nochmal einen Eintrag weiter runter, huschhusch!) fort. Ich schluf gerade:
Freitag
3.48 Uhr: Finde es schade, dass mir das blinkende Klo weder einen guten Morgen noch festen Stuhl wünscht. Vermutlich ist es im
Sleep-Modus. Ist ja auch noch früh.
3.50 Uhr: Hach, die Lichter der Großstadt.
5.41 Uhr: Hach, die Sonne der Großstadt. Mach die mal einer aus bitte, ich möchte noch pennen!
6.26 Uhr: Huch, der »Herald Tribune« baumelt an der Tür. Armer Tropf. Immerhin war's für ihn schnell vorbei. Verdammte Yakuza!
6.41 Uhr: Frühstück für 40 Euro? Her damit! Ich vermisse Heathrow ein wenig.
7.22 Uhr: »A whole new woooooorld... a new fantastic point of view! No one to tell uns no or where to go...« - deswegen müssen wir
uns auch mit Händen und Füßen durchfragen bzw. unsere Miss Marple-Gene an den Subway-Plänen aktivieren.
9.20 Uhr: Da fliegt man 15somethingtausend Kilometer ans andere Ende der Welt, und trifft doch immer die gleichen Gesichter.
9.24 Uhr: Riiiiiiiiisikoooooooo! Sei ein Mann! Trink etwas, das du weder kennst noch entziffern kannst!!
9.25 Uhr: Uäch! In meinem Fall war's wohl Schlammtee mit Aalurin.
9.30 Uhr: Geil, man kann mit Handy zahlen? Geht auch Blut?
10.10 Uhr: Ken Kutaragi (Oberster Größter Meister von Sony CE) spricht.
10.40 Uhr: Immer noch.
11.00 Uhr: Immer noch.
11.10 Uhr: Ich geh dann mal.
Danach bis 17.20 Uhr: Messe! Viel Messe! VIEL Messe! Und verdammt viel PlayStation 3.
Bizarres Detail auf der Messe und auch überall sonst, wo sich Menschen in einer Reihe zusammenfinden: Am Ende jeder größeren
Schlange steht einer mit einem Schild, auf dem »Hier ist das Ende der Schlange!« steht. So entwaffnend logisch, dass mein Gehirn Polka tanzt.
17.25 Uhr: Sony verspricht viel Essen und super Drinks! Bin dabei! Ab in den Bus!
17.29 Uhr: Stau.
17.32 Uhr: Stau. Blinkende Schilder überall. Wette, dass sie »Ab hier noch drei Stunden!« bedeuten.
17.50 Uhr: Muss mich gelegentlich selbst daran erinnern, nicht dauernd auf Sony reinzufallen. Kein viel Essen, keine super Drinks im Bus!
18.08 Uhr: Sony verschwendet mein Leben. Zeit, mit André köstliche Gags zu reißen. Herausgekommen ist ein Bong-Fu-Trailer, den ihr
bestimmt, aber mit Sicherheit irgendwann mal zu sehen bekommt.
19.04 Uhr: Langsam beginne ich an Absicht zu glauben.
19.28 Uhr: Es muss Absicht sein! Der Busfahrer dreht Kreise, ich schwör's!
20.07 Uhr: Ah, der Sony-Tower! Ganz oben durfte noch nie ein fremder Teufel rein. Woanders scheinbar auch nicht. Der Fahrstuhl kennt verdächtig wenig Ziele.
Bis Mitternacht: Hui, Ken Kutaragi ist auch wieder da. Und ein Haufen Entwickler. Und ein Haufen PS3s. Samt einem Haufen Spiele. Nur
das Sushi ist alle. Draußen wird Baseball gespielt.
Nach Mitternacht: Erstmal eine rauchen. Wundere mich, dass keine ABM-Kraft mit einem Hochleistungsministaubsauger unter meiner Kippe
steht, um den fachgerechten Abaschvorgang zu gewährleisten.
01.04 Uhr: Schlafen? Arbeiten? Entscheidungen, Entscheidungen...
01.05 Uhr: Na gut: Arbeiten.
03.06 Uhr: Na gut: Schlafen!
Samstag (offiziell)
09.01 Uhr: Ich hätte meinen Japanisch-Kurs weiter als bis Lektion 1b machen sollen. Jedenfalls fahren wir erstmal in die falsche
Richtung.
09.07 Uhr: Ist aber auch schön hier.
09.18 Uhr: »Women only!«-Bahnsteigabschnitte? Ich fühle mich unterdrückt! Ist bestimmt nur dazu da, damit die Frauen schneller auf Arbeit kommen, um dort von geknechteten Männer verdient geknechtet zu werden!
09.20 Uhr: Was macht ein WLAN-Spot mitten in einer U-Bahn-Station? Die planen was, ich sag's euch!
09.50 Uhr: OhgottohgottOHGOTTOHGOTT! Zehn Millionen Menschen in einer kleinen U-Bahn!
09.51 Uhr: AAAAAAAAAAAARRRRRRRRRRRRRRRRRGH!!!11
09.52 Uhr: Nur gut, dass ich nicht klaustrophobisch bin.
09.55 Uhr: Puuuuuuh! 3/4 der Menschen strömen wie ferngesteuert aus der Bahn. Jetzt ist sie nur noch brechend voll.
10.19 Uhr: Kulturschock pur: Sehe ungefähr 1000 Menschen, die in Dreier-Reihen völlig diszipliniert an einer Ampel stehen, die sich an
einer recht ruhigen Straße langweilt. Es wird grün. Menschen laufen (alle in Reihe). Es wird rot, Menschen stehen. Jörg und ich sehen
uns das Schauspiel etwa zehn Minuten völlig ungläubig an. Bin davon überzeugt, dass am Ende dieser endlos scheinenden Schlange einer
mit einem Schild lungerte, auf dem »Hier ist das Ende der Schlange!« stand. Alle bekloppt.
10.30 Uhr: Da ist die Messe ja schon wieder. Erstmal Versorgungs-Shoppen.
10.41 Uhr: Sag niemals, dass ich mich garantiert nicht trauen würde, irgendetwas zu probieren! Dieser getrocknete Tentakel wird
vernichtet!!
10.42 Uhr: Knackig. Und etwas zäh.
10.43 Uhr: Nagut, hauptsächlich zäh.
10.47 Uhr: In der Tat: recht zäh. Aber es wird langsam weicher.
12.52 Uhr: Disziplin! Aber ich müsste mal aufs Klo.
12.54 Uhr: Hm. Bin ratlos. Die hiesigen Loki setzen einen Doktor im Bodenturnen voraus.
13.10 Uhr: Alle zehn Millionen Menschen, die vorhin in der Bahn waren, haben sich sprunghaft vermehrt, und sind samt Nachwuchs jetzt
auf der Messe.
14.11 Uhr: Gott weiß einen guten Lacher zu schätzen: Wie darauf gelauert verabschiedet sich mein Laptop exakt in dem Augenblick
ins Kein-Strom-mehr-Nirvana, in dem ich im langsamsten Pressezentrum der Welt eine wichtige Mail abschicken wollte. Keinen Bock mehr.
So wichtig war sie dann doch nicht.
14.30 Uhr: Immerhin haben andere Menschen irre viel Spaß.
15.02 Uhr: Oder auch nicht.
15.30 Uhr: Irgendwo muss auch mal gut sein. Deswegen suchen wir uns jetzt ein möglichst merkwürdig aussehendes Restaurant und spielen
das Das-traust-du-dich-garantiert-nicht-zu-essen-Spiel.
16.02 Uhr: Mmmmmmmmm, Paniertes mit Paniertem, dazu gibt's Paniertes! Und Bier.
16.03 Uhr: Und Reis. Unpaniert. Schade.
16.38 Uhr: Hmmm... ein Getränk, das »Sweat« im Namen trägt? Oder lieber eins, das wie ein biologischer Kampfstoff aussieht?
Entscheidungen, Entscheidungen...
16.43 Uhr: Rückfahrt. Die Hälfte der Zug-Anwesenden pennt. Davon gibt es übrigens nur zwei Varianten: Entweder nach vorn versunken
halb auf dem Boden. Oder auf der Schulter des Nebenmanns.
16.46 Uhr: Es gibt nur Klapphandys. Dicke Klapphandys.
17.38 Uhr: Zurück in Shibuya. Kaufhaus. Brauchbar große Spielkram-Abteilung. Jede Menge großartiger DS-Games, die bei uns erst in
einem halben Jahr, einem Jahr oder nie erscheinen, stehen gelangweilt rum. Ich würde ihnen liebend gern ein fröhliches Zuhause bieten,
habe aber meinen Japanisch-Kurs nur bis Lektion 1b gemacht. Außerdem bin ich nicht ausgesprochen reich.
17.56 Uhr: Ein Comic-Warnschild, das einen darauf aufmerksam macht, dass man heulen könnte, wenn man die Hand zwischen
die sich schließenden Fahrstuhltüren steckt. Ich liebe es. Ernte allerdings merkwürdige Blicke der Fahrstuhl-Mitfahrgesellschaft für mein Herumgefotografiere. Japaner scheinen es merkwürdig zu finden, dass sich auch andere wie Touristen verhalten können.
18.02 Uhr: Egal, um welche Summe es sich handelt: Selbst wenn du nur ein Snickers kaufst, wird dir die zu zahlende Summe in einen
Taschenrechner getippt und vors Gesicht gehalten.
20.30 Uhr: Zeit für einen Wir-sind-nicht-mehr-lang-in-Japan-Drink!
20.42 Uhr: Und noch einen!
21.02 Uhr: Und noch einen!
21.20 Uhr: Was kostet eigentlich der Wodka in dieser hoch über den Wolken schwebenden, sehr teuer aussehenden Hotelbar?
21.30 Uhr: Hochitassn!
21.46 Uhr: Huch, da ist ja Stefan von Sony. Samt begleitenden Fremd-Redakteuren. Bock auf einen Barbesuch? Aber immer!
22.01 Uhr: Bar entpuppt sich als japanischer HipHop-Schuppen. Genau wie europäischer HipHop-Schuppen. Nur mit mehr asiatisch
aussehenden Gangstas.
23.02 Uhr: Trage mein Hamburg-Shirt. Vorm Klo spricht mich einer darauf an: Martin aus Düsseldorf. Wie klein die Welt doch ist.
Wir lachen herzhaft. Würde gern auf den Lokus, aber dort röchelt einer seit einer halben Stunde ins Becken.
23.07 Uhr: Mehr Bier! Mehr Erdnüsse!
23.12 Uhr: Ob direkt unter dieser ziemlich stark blasenden Klimaanlage zu stehen wohl negativen Einfluss auf meinen ohnehin durch
omnipräsente Klimaanlagenberieselung stark angeschlagenen Hals haben wird?
23.20 Uhr: Mehr Bier! Mehr Erdnüsse!
23.34 Uhr: Interessantes Phänomen: Stellt man leere Bierflasche oder -dose ab, kann man seinen Arsch darauf verwetten, dass sie
spätestens eine Minute später ordnungsgemäß weggeräumt wurde. Und die Schale mit Erdnüssen wird auch ständig nachgefüllt. Hm. Harte
Jungs, diese japanischen HipHopper.
01.20 Uhr: Wollemernischlangsahmjehn? Mirmüssenmornfrürausz!!!
01.30 Uhr: Wlsches vonnen drein war jetzt unna Hotel? Bllll...
Sonntag
07.45 Uhr: Fühle mich gut. Schädel brummt nur ein wenig, dafür lässt mich mein Hals spüren, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen
ist.
08.28 Uhr: Sach mal, wann geht eigentlich unser Flieger?
08.28 Uhr: Ah.
08.28 Uhr: ..dann müssten wir ja.... FUCK!!!11
09.25 Uhr: Wo ist Airwolf, wenn man ihn braucht?
09.26 Uhr: Wo ist ein übersichtlicher Bahnhof, wenn man ihn braucht? Haben noch genau vier Minuten, um Zug zu schaffen, der uns gerade
so zu unserer Maschine bringt. Sonst bleiben wir auf immer hier! Erleiden ähnliches Schicksal wie Tom Cruise in »The Last Samurai«!
09.29 Uhr: Einer ausgesprochen hilfreichen Bahnangestellten und unseren im Notfall unglaublich gut arbeitenden Laufmuskeln sei Dank
schaffen wir es noch gerade so in den Zug, der 40 Sekunden nach unserer Ankunft lostuckert.
09.32 Uhr: Aaaaaah, bequeme Sitzplätze. Wie geschaffen für uns durchschwitzte Extremsportler!
09.33 Uhr: Scheiße, reservierte Plätze. Schön, stehen wir halt auf.
10.30 Uhr: Eine Stunde vergeht wie im Flug, wenn man nur stehen kann.
10.36 Uhr: Kein Mensch am Virgin Atlantic-Schalter? Virgin Atlantic rockt! Jetzt haben wir ja noch fast eine halbe Stunde Zeit. Gaaanz
gemütlich zur Security und zum Gate. Wir haben alle Zeit der Welt.
10.52 Uhr: Jörg, was soll das heißen, du hast deine Boarding Card nicht dabei? Wir haben gerade eingecheckt!
10.53 Uhr: Durchwühl alle Taschen, du musst sie haben!
10.55 Uhr: Fuck! Fuck! Fuck! Fuck! Fuck! Fuck! Fuck! Fuck! Fuck! Fuck! Fuck! Fuck! Fuck! Fuck! (Jörg rennt zum Check-In zurück,
ich tänzele am Gate hin und her)
10.56 Uhr: Fuck! Fuck! Fuck! Fuck! Fuck! Fuck! Fuck! Fuck! Fuck! Fuck!
10.57 Uhr: Fuckfuckfuckfuckfuckfuckfuckedifuck!
10.59 Uhr: Meeeensch, da isser ja! Lag die Boarding Card doch noch am Check-In-Schalter. Eieiei. Ab an Bord!
Jetzt kann nix mehr passieren. Ab nach Hauseeeee! Weeeeeee!
16.02 Uhr: Me no likey shaky flight!
17.08 Uhr: Bordprogramm rockt! Essen rockt. Virgin Atlantic rockt!
20.12 Uhr: Mein Hals schlägt zurück. Und er hat die Nase auf seine Seite gebracht! Rebellenpack!
22.11 Uhr: Hey, »V for Vendetta« rockt! Geiler Film!
23.18 Uhr, geschätzte 20 Minuten vor Ende des hervorragenden Films: »Wir befinden uns jetzt im Landeanflug. Blablabla, auf jeden
Fall mache ich jetzt die Fernseher aus. Schnallen Sie sich bitte an!«
23.19 Uhr: Neeiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin!!!
23.20 Uhr. Ähm. 16.20 Uhr. Oder? Ich bin nicht sicher. Das ständige Uhr-Umstellen geht mir auf den Sack!
16.38 Uhr: Hallo Heathrow. Du bist hässlich.
17.02 Uhr: Jörgs Gepäckpapiere befinden sich scheinbar noch am Check-In-Schalter. In Tokio. Hm. Doof. Ach, wird schon alles gut gehen.
22.08 Uhr: Nein, wird es nicht. Wer weiß, wo sein Gepäck seine Runden dreht. In Hamburg ist es jedenfalls nicht.
22.17 Uhr: Huiii, die Abholmaus! Ab nach Hause!
(Jörgs Gepäck ist übrigens am nächsten Tag wieder aufgetaucht. Schwein gehabt. Er war kurz davor, von seinen Töchtern wegen
Geschenk-Abwesenheit gelyncht zu werden.)
Froschi