Montag, 10. November 2003, 06.54 Uhr
Ich bin erstaunt: Während ich gestern abend verbissen auf dem Gameboy herumhackte, im erfolglosen Versuch, dem finalen Blackthorne-Endgegner (für Leute, die alles wissen müssen: Sarlac) ein oder zwei Harken zu zeigen, erfreute sich Peg an Trivialunterhaltung in Form der Fame-Academy. Neben allgemeinem Hurra ob des Rauswurfs der wohl mutterzickigen Inesse fiel mir vor allem die extrem penetrante Werbung für »den neuen Song aus der Fame Academy« auf, der »von den Studenten selbst geschrieben« auf die Menschheit losgelassen wird - natürlich steampowered by His Teachness Himself Diiitschäääy BouBou. Ich bin jetzt noch zu müde, auf diesem Lovestory-Lyrics-blabla-night-blabla-holdmetight-rememberwhenwewatchedthemoon-verseuchten Etwas herumzureiten. Ich finde es nur auffallend auffällig, dass es tatsächlich eine Sensation zu sein scheint, dass noch irgendjemand (außer Bohlen) Songs schreibt.
Trotz aller meiner (vollkommen abgebrachten) Bedenken gegen dieses produzierte lyrische Einerlei halte ich das irgendwie für einen Schritt in die richtige Richtung - auch wenn es durchaus ohne größere Umwege in die inneren Kreise der Hölle führen könnte. Wie auch immer: letzten Endes würden wir alle (inklusive unserer Ohren und des gesunden Menschenverstandes) davon profitieren, wenn zukünftige Casting-Kandidaten vor dem obligatorischen Rausschmiß eigene Songs auf dem eigenen Instrument vortragen würden. Allerdings kann ich mir schon vorstellen, warum das nie der Fall sein wird: tatsächlich sonstwie begabte Kandidaten könnten eines Tages nachdenken, und dann versuchen, mit ihrer Begabung Kohle zu machen - anstatt weiter an Diddäs Seilen zu wackeln. Andererseits wäre die Wahrscheinlichkeit nicht gerade gering, dass wir dann nicht nur mit erschreckend falschen Stimmen, sondern auch mit extrem mißbrauchten Instrumenten gefoltert würden. Schöne neue Welt.
Ich drifte durch ferne Dimensionen: Nach all den Jahren des Zögerns, all den Momenten der Stärke habe ich mir jetzt doch (endlich! ENDLICH!!) einen Dolby Digital-Receiver gegönnt - der dank Pegs durchtrainierter Arme am Freitag seinen erstaunlich voluminös verpackten Weg von der Post nach Hause antrat. Etwas Anschluß-Hickhack und den Kauf eines optischen Leiters später tauchen wir jetzt durch Klang-Wunderwelten, die am üblichen Syndrom leiden: gerade die erste Matrix flüstert einem immer wieder Dinge wie »Wie konntest Du Dir eigentlich vorher diesen krickelkratz-Sound antun?« ins Ohr, woraufhin ich nur unwissend zucken kann. Eine lohnenswerte Investition, für jedermann.
Froschi