Montag, 7. Juli 2003, 13.50 Uhr
Ich bin irritiert: In jedem normalen Job, in jedem beliebigen Land der Welt ist ein gewisses Grundkontingent an Beherrschung der landestypischen Sprache ein Muss. Oder jedenfalls gern gesehen. In den Münchner Frittenhöllen ist das was anderes: hier wird nur eingestellt, wer jede Bestellung mit mindestens drei »Was?« resp. »Gönnen Sie nocmal widderhole?« kommentiert. Mitarbeiter des Monats wird, wer pro Tag die »Falsch verstandene und verkaufte Bestellung«-Quota anführt. Frisch importierte Legastheniker mit Stimmbandfäule landen grundsätzlich am Autoschalter, wo das Bestellvergnügen durch knisternde Funkerotik noch gesteigert wird. Warum widme ich diesen Sonderschulen eigentlich noch immer irgendwelche Aufmerksamkeit?
Ich zappele: Gibt es etwas Schöneres, als ganz frische Musik zu entdecken, die nicht verkübelböckt ist oder in der MTVIVA-Dauerrotation bereits einen gewissen Eigen-Brechreiz entwickelt hat? Mein momentaner Favourite ist ja Lamb, die einfach schweinegeilen Trip-Hop fabrizieren. Ebenfalls neu (dank Midnight Club 2 in mein Leben getreten): Misstress Barbara, die trotz ihres selten dämlichen Namens und biologischer Nachteile (Frau) wundervollen Trance abliefert: »Never could have your heart«. Einer von tausend Gründen, zu dem wundervollen Spiel zu greifen.
Erkenntnis des Tages: Momentan ist irgendwie eine ganz schlechte Zeit, um kein Geld zu haben. Gut, dafür gibt es wohl nie eine passende Gelegenheit, aber momentan scheint es mir besonders eklig zu sein: ausnahmslos alles wird teurer; Benzin, Zigaretten, Versicherungen, Lebensmittel - Dinge, die einem ein angenehmes Leben ermöglichen sollten, ziehen einem in Wirklichkeit das letzte Hemd aus. Ich sollte endlich stinkreicher Rockstar werden, auf dem Höhepunkt meiner Karriere mit einem Knall von der Bühne abtreten, und fürdermehr mit Frau und Hund auf einer von 200m hohem Stacheldrahtzaun umgebenen Privatinsel ein Rudel ruhiger Tage verleben. Oder ich entwickle ein 28-days-later-Virus, infiziere Mücken, warte kurz ab, und hab dann meine Ruhe. Alles nicht einfach.
Froschi